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Zehntausende Praxen gefährdet – Massive Umsatzverluste durch Bürgerversicherung

Berlin, 22. Mai 2013 - Bei Einführung einer Bürgerversicherung nach den Plänen der Opposition müssten niedergelassene Ärzte nahezu aller Fachgruppen mit massiven Umsatzverlusten im zweistelligen Prozentbereich rechnen. Dies ist das Ergebnis einer Studie des PVS-Verbandes zur finanziellen Belastung der Ärzte durch den Wegfall der Privaten Krankenversicherung (PKV). Angesichts der neuen Zahlen warnt der Bundesvorsitzende des NAV-Virchow-Bundes, Dr. Dirk Heinrich, ein historisch begründetes und funktionierendes duales Versicherungssystem ohne Not zu opfern.

Vor allem fachärztliche Praxen müssten drastische Umsatzeinbußen in der Bürgerversicherung befürchten. Es drohen Praxisschließungen. (© LUCKAS - Fotolia.com)

Heinrich: „Brechen die PKV-Umsätze weg, geraten viele Praxen in eine gefährliche wirtschaftliche Schieflage. Das können sich weder die Patienten, die eine wohnortnahe Versorgung erhalten, noch die Ärzte und Praxismitarbeiter, die um ihre Existenz bangen, leisten.“

Derzeit finanzierten 11,4 Prozent Privatversicherte das deutsche Gesundheitssystem zu 25 Prozent. Ohne diese Privatumsätze müssten niedergelassene Ärzte im Schnitt einen Verlust von etwa 43.400 Euro jährlich einkalkulieren. Fachärzte wären dabei am stärksten betroffen, so die Berechnungen des PVS-Verbandes. Dermatologische, orthopädische und radiologische Praxen hätten Umsatzverluste zwischen 30 und 40 Prozent zu verkraften. Geringer sei der Ausfall bei den Allgemein- und Kinderärzten sowie den Internisten. Hier wurde ein Vergütungsverlust zwischen circa 6 und 14 Prozent errechnet.

Die absehbaren Umsatzverluste in einer Bürgerversicherung werden von den niedergelassenen Ärzten heftig kritisiert: „Die Studie zeigt es deutlich: Die Bürgerversicherung ist nicht nur schlecht für die Patienten, weil sie die Versorgung teurer macht und Innovationen blockiert. Sie ist auch eine reale wirtschaftliche Gefahr für zehntausende Arztpraxen. Ein Umsatzrückgang zwischen 20 und 40 Prozent ist nur mit radikalem Personalabbau und weitgehenden Streichungen nötiger Neuinvestitionen in Technik und Geräte ausgleichbar. Beides hätte direkte Auswirkungen auf die Patientenversorgung. Es drohen längere Wartezeiten und vermehrte Krankenhauseinweisungen“, warnt Dr. Dirk Heinrich, der Bundesvorsitzende des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschlands.

Zwar beteuern die Befürworter der Bürgerversicherung immer wieder, dass die wegbrechenden PKV-Honorare in einem vereinheitlichten Versicherungssystem kompensiert werden würden. Bei den Ärzten bleibt man dennoch skeptisch. Dr. Heinrich: „Dass nach einem Systemwechsel genügend Geld für die Erhöhung der GKV-Einnahmen zur Verfügung gestellt wird, ist ein leeres Versprechen. Letztendlich heißt Bürgerversicherung nichts anderes als Enteignung der Privatversicherten, schlechtere Versorgung für Kassenpatienten, Unterschlagung der guten ambulanten, insbesondere fachärztlichen, Versorgung. Das ist weder gerecht noch fair“, so der Verbandsvorsitzende.

Währenddessen wächst der innerärztliche Widerstand gegen die Einführung einer Bürgerversicherung. Bei einer Online-Umfrage des NAV-Virchow-Bundes über das Ärztenetzwerk coliquio gaben 81 Prozent der Befragten an, nichts von den Reformplänen der Opposition zu halten. 86 Prozent erwarten Umsatzeinbußen in ihren Praxen. Bei der Frage, ob Reformen innerhalb der PKV die Bürgerversicherung verhindern könnten, zeigten sich 57 Prozent der Teilnehmer davon überzeugt, dass die Konvergenz der Systeme aus grundsätzlichen Erwägungen angestrebt wird und auch Fortschritte bei den hausgemachten Problemen in der PKV daran nichts ändern würden. An der Online-Abstimmung nahmen über 1.400 Ärzte teil.

Der NAV-Virchow-Bund ist der einzige freie ärztliche Verband, der ausschließlich die Interessen aller niederlassungswilligen, niedergelassenen und ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte aller Fachgebiete vertritt.

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