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Vergiftetes Angebot: Klinikzuweisungen durch Krankenkassen entmündigen Patienten

Berlin, 06. Juni 2012 - „Klinikzuweisungen durch die Krankenkassen kämen der Entmündigung der Patienten gleich und sind daher strikt abzulehnen.“ Dies erwidert der Bundesvorsitzende des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, Dr. Dirk Heinrich, auf die Pläne von FDP und CDU, Patienten durch den Erlass der Eigenbeteiligung dazu zu bewegen, sich auf Kassenvorschlag in bestimmten Krankenhäusern behandeln zu lassen.

"Bei Krankenhauseinweisungen durch die Kassen würde es zwangsläufig nur um den Preis gehen", so Dr. Dirk Heinrich (© contrastwerkstatt - Fotolia.com)

Bereits heute spielten die Kassen in vielen Bereichen des Gesundheitswesens eine übermächtige Rolle. Das Wohl des Patienten stehe dabei selten im Mittelpunkt, betont Dr. Heinrich. Daher müsse der Eingriff der Kassen zurückgefahren und dem Patienten mehr Autonomie zugesprochen werden, fordert der Bundesvorsitzende des NAV-Virchow-Bundes.

„Immer reden die Kassen dem ‚mündigen Patienten’ das Wort. Offenbar hat das allerdings enge Grenzen und hört an der Stelle auf, wo es um die eigenen Interessen geht. Der entmündigte Kassenpatient ist für uns keine Option“ konstatiert Dr. Heinrich. Zudem hätte die Neuregelung weitreichende Folgen für den Krankenhausmarkt: „Bei Krankenhauseinweisungen durch die Kassen würde es zwangsläufig nur um den Preis gehen. Die Qualität der Behandlung spielte eine untergeordnete Rolle. Die Folge wäre, dass einzelne Krankenhäuser im Kampf um das Preisdumping der Krankenkassen auf der Strecke blieben und sich der Konzentrationsprozess auf dem Klinikmarkt weiter fortsetzt – zu Gunsten der börsennotierten Klinikkonzerne und zu Lasten der Versorgerhäuser in der Fläche“ kritisiert Dr. Heinrich.

Darüber hinaus sei die freie Wahl des Krankenhauses, genau wie die freie Arztwahl, elementarer Bestandteil des deutschen Gesundheitssystems, so der Bundesvorsitzende weiter. Bereits heute entscheiden die Patienten mehr denn je nach objektiven Kriterien, in welches Haus sie sich einweisen ließen. „Die dafür erforderlichen Informationen sind über seriöse Internetportale und Qualitätsberichte der Krankenhäuser für jedermann erhältlich und werden von den Patienten auch genutzt“, erklärt der Vorsitzende des NAV-Virchow-Bundes. Vor diesem Hintergrund könne nur vor den Plänen der Koalitionsparteien gewarnt werden. „Eher früher als später würden Kostenfaktoren mehr wiegen als Qualitätskriterien“, so Dr. Heinrich.

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