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Statement von Prof. Dr. Harald Mau "Der Senator irrt und niemand wundert sich"

Berlin, 30. August 2016 - Im Streit um die Niederlassungsfreiheit in der Hauptstadt hat sich der Ehrenvorsitzende der Landesgruppe Berlin/Brandenburg des NAV-Virchow-Bundes und ehemalige Dekan der Charité Prof. Dr. Harald Mau zu Wort gemeldet. Gesundheitssenator Mario Czaja hatte der Ärzteschaft vorgeworfen, sie versuche rückwärtsgewandt ihre Besitzstände zu verteidigen. Dies erstaune ihn „angesichts des Erbes Rudolf Virchows“. Zu Unrecht, wie Prof. Mau nun richtigstellt:

Prof. Harald Mau ist ehemaliger Dekan der Berliner Charité und Ehrenvorsitzender der Berliner Landesgruppe des NAV-Virchow-Bundes (© Pietschmann)

Der Senator irrt und niemand wundert sich

Der Berliner Gesundheitssenator Mario Czaja ist erstaunt darüber, dass seine Planspielchen mit den Arztsitzen nicht den Beifall der Vertragsärzte finden und meint, dass gerade die unter dem Namen Virchows, nämlich im NAV-Virchow-Bund berufspolitisch organisierten Kollegen verpflichtet seien, seine Bemühungen zu unterstützen. Hier irrt der Senator. Sein Ziel, dass Ärzte dort sein sollen, wo sie gebraucht werden, wird uneingeschränkt unterstützt. Nur die Art und Weise, wie dieses Ziel erreicht werden soll, macht schon nachdenklich und ist denen, die unter Virchows Namen angetreten sind, ziemlich zuwider.

Der Virchow-Bund wurde gegründet, weil Ärzte von staatlicher Bevormundung, Gängelei und standespolitischer Rechtlosigkeit die Nase voll hatten und ihre Rechte im Sinne Virchows selbst wahrnehmen wollten.

Ich halte auf mein Recht, und darum erkenne ich auch das Recht der anderen an. Das ist mein Standpunkt im Leben, in der Politik in der Wissenschaft (1).

Seit seiner schlesischen Typhusreise unterschied Virchow, übernommen von seinem Freund Salomon Neumann, zwischen „künstlichen“ und „natürlichen“ Krankheiten, ausgehend von der sozialen Bedingtheit der damaligen Seuchen. Die heutige Mangel- und Fehlverteilung von Ärzten wäre in seinen Augen mit Sicherheit eine künstliche Krankheit, ein künstliches gesellschaftliches Leiden, denn weder Seuchen noch Naturkatastrophen noch Bevölkerungsexplosionen sind die Ursachen, sondern anhaltende falsche Anreize und dilettantischer Dirigismus. Gehorsam gegenüber der Obrigkeit gehört nicht zum Virchow‘schen Erbgut. Auch die Erkenntnis, dass die ärztliche Profession immer eine soziale Dimension hat, war eher aus Protest und Zorn über das Versagen der Obrigkeit als durch Staatsbürgerpflicht induziert. Im Revolutionsjahr 1848 schrieb er:

Das Gesetz half nichts, denn es war nur beschriebenes Papier; die Beamten halfen nichts, denn das Resultat ihrer Thätigkeit war wiederum nur beschriebenes Papier. Der ganze Staat war allmählich ein papierner, ein großes Kartenhaus geworden, und als das Volk daran rührte, fielen die Karten in buntem Gewirr durcheinander (2).

Virchow war liberal und national, fortschrittlich. Er zählte zu den Gründern der Fortschrittspartei. Aber niemals war er opportunistisch. Auch wenn sich im Preußischen Landtag mehr als 400 Abgeordnete Bismarck beugten, gehörte er zu den 75, die gegen Bismarck und die von ihm veranlasste Rechtsverletzung stimmten. Der Mangel an Begeisterung für die Czaja‘schen Letter of Intent und ihren Folgen hat nichts mit Besitzstandverteidigung und Rückwärtswendung zu tun, sondern mit unserer besonderen Verantwortung für unsere Patienten. Siehe oben!

Prof. Dr. Harald Mau
Ehem. Dekan der Charité
Mitbegründer des „Rudolf-Virchow-Bundes“
Ehrenvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes, Landesgruppe Berlin-Brandenburg

(1) Virchow, R. Cellular-Pathologie. In: Arch. Path. Anat. Physiol. klin. Med. 8(1855),3-39, hier S.19
(2) Virchow, R. Gesammelte Abhandlungen aus dem Gebiet der öffentlichen Medicin und der Seuchenlehre, Bd.1 Berlin 1879 S.321

Der NAV-Virchow-Bund ist der einzige freie ärztliche Verband, der ausschließlich die Interessen aller niederlassungswilligen, niedergelassenen und ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte aller Fachgebiete vertritt.

NAV-Virchow-Bund
Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands e.V.
Landesgruppe Berlin/Brandenburg
Landesvorsitzende: Dr. Christiane Wessel
Markgrafenstraße 20
10969 Berlin
Tel.: 030 / 61 43 04 0
E-Mail: info.berlin-brandenburg@nav-virchowbund.de

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