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Schnellschüsse aus der Opposition – KBV-Statistik greift bei Arzttätigkeit zu kurz

Berlin, 19. April 2012 - Auf die Vorwürfe, bestimmte Vertragsarztgruppen behandelten zu wenige Kassenpatienten und bevorzugten Privatversicherte, die nach einer parlamentarischen Anfrage unter Führung der Grünen-Abgeordneten Biggi Bender laut wurden, entgegnet der Bundesvorsitzende des NAV-Virchow-Bundes, Dr. Dirk Heinrich: „Die von der KBV vorgelegten Zahlen lassen die von Grünen und Krankenkassen gezogenen Schlüsse nicht zu. Weder geht aus den Daten hervor, ob hälftige Zulassungen entsprechend umgerechnet wurden, noch berücksichtigen die Zahlen die Vielfältigkeit der Arzttätigkeit.“

Kritisiert Kassenärzte und Bundesregierung – Die grüne Bundestagsabgeordnete Biggi Bender (Foto: privat)

So seien Praxen denkbar, die mit relativ geringer Scheinzahl schwerstkranke Patienten mit einer hohen Behandlungstiefe behandelten, erläutert der Vorsitzende. „Ebenso finden sich Praxen, die fast ausschließlich leicht erkrankte Patienten behandeln und daher sehr hohe Scheinzahlen produzieren.“ Darüber hinaus seien durch den häufigen Wechsel bei den größeren Berufsausübungsgemeinschaften statistische Fehlallokationen denkbar. „Allein mit dem kleinen Ausschnitt, den die KBV-Statistiken liefern, kann der Umfang ärztlicher Tätigkeit nicht abgebildet werden“, konstatiert Dr. Heinrich.

Kritisch äußert sich Dr. Heinrich hinsichtlich sogenannter Hobbypraxen, die trotz voller Zulassung nur geringe Scheinzahlen produzierten: „Solche Praxen sind nicht erwünscht.“ Dennoch gehe die Diskussion am Ziel vorbei. „Würde man versuchen, alle niedergelassenen Kassenärzte zu zwingen, eine durchschnittliche Scheinzahl zu erreichen, so würde vermutlich eine größere Anzahl von Ärzten ihre Tätigkeit als Kassenarzt aufgeben“, warnt der Bundesvorsitzende.  Um den Ärztemangel abzuwenden, brauche es vielmehr Anreize, dass Kassenärzte voll tätig würden. Dazu gehöre allen voran eine adäquate und dem Aufwand und Umfang der Praxistätigkeit entsprechende Bezahlung. Die simple Ausweitung der Bedarfsplanung reiche dagegen nicht aus. „Viele Ärzte stehen schlicht und einfach nicht zur Verfügung oder haben unter den jetzigen Bedingungen kein Bedürfnis, Kassenarzt zu werden.“

Die Kritik an den Behandlungszeiten, ergänzt der Vorsitzende, verletzte außerdem den Grundsatz der ärztlichen Freiberuflichkeit. „Der freie Arzt ist die Grundlage, dass medizinische Versorgung hierzulande auf Höchstniveau stattfindet. Zur freiberuflichen Tätigkeit gehört jedoch auch die eigenständige Gestaltung der Arbeitszeiten und der verantwortliche Einsatz der ‚Ressource Arztpraxis’.“

Wie abwegig die Attacken auf die Vertragsärzte seien, zeige der Blick auf andere Freiberufler. „Wer käme denn auf die Idee, einem Rechtsanwalt eine Mindestzahl von Mandanten vorzuschreiben? Dabei haben auch sie übergeordnete gesellschaftliche Berufspflichten, wie den Erhalt der Rechtspflege“, so Dr. Heinrich.

Der NAV-Virchow-Bund ist der einzige freie ärztliche Verband, der ausschließlich die Interessen aller niederlassungswilligen, niedergelassenen und ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte aller Fachgebiete vertritt.

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