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Der Hausarzt als Lotse

Dr. Veit Wambach, Arzt für Allgemeinmedizin, Nürnberg

Die „Initiative pro Leber“ verfolgt das Ziel, die Öffentlichkeit über die Hepatitis C aufzuklären und damit die Voraussetzung für eine Eindämmung oder Eliminierung dieser Infektionskrankheit zu schaffen. Das kann aber nur mit der Unterstützung der Hausärzte gelingen! Denn sie sitzen an einer Schlüsselposition, um Risikopatienten zu identifizieren und zu diagnostizieren.

Dank einer neuen Generation von direkt antiviral wirkenden Kombinationstherapien (Direct-Acting Antivirals, DAA) lässt sich die Hepatitis C inzwischen fast immer heilen. Dies eröffnet die Chance, die Hepatitis C massiv einzudämmen oder sogar zu eliminieren. Dazu ist es notwendig, dass sich möglichst viele Menschen mit einem erhöhten Infektionsrisiko testen lassen. „Nur wer weiß, dass er krank ist, kann auch behandelt werden. Und nur wer behandelt wird, hat eine Chance auf Heilung“, betont der Leberexperte Prof. Dr. Michael P. Manns, Hannover, Vorsitzender der „Initiative pro Leber“. Und Prof. Dr. Claus Niederau, Oberhausen, ergänzt: „Heilung braucht Erkenntnis“. Neben einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit hoffen die Initiatoren insbesondere auf die rege Unterstützung durch die Hausärzte: „Sie sind die erste Anlaufstelle für gesundheitliche Probleme, kennen ihre Patienten meist gut, können sie beraten und einen Bluttest in die Wege leiten“, so Niederau. Vor allem bei Patienten mit bereits erhöhten Leberblutwerten, aber auch bei unspezifischer Symptomatik und/oder Risikofaktoren sollte mit einer Basisdiagnostik (kleines BB, Krea, BZ, ALT, AST, HCV-Ak, HBs-Ag) begonnen werden. Ergeben sich nach dieser ersten Stufe pathologisch veränderte Werte, kann ab diesem Punkt an einen Spezialisten überwiesen werden.

Interview mit Dr. Veit Wambach, Arzt für Allgemeinmedizin, Nürnberg

Herr Dr. Wambach, woran kann ein Patient erkennen, dass er sich mit dem Hepatitis-C-Virus angesteckt hat?

Dr. Wambach: Zu Beginn verläuft eine Hepatitis-C-Virus (HCV)-Infektion meist unspezifisch. Die Symptome einer akuten HCV-Infektion wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder Übelkeit werden leicht mit denen anderer Erkrankungen verwechselt. Dies ist ein wichtiger Grund dafür, dass die meisten Infizierten gar nicht wissen, dass sie den Erreger in sich tragen. Nur etwa 25 Prozent der mit dem HCV-Infizierten entwickeln eine akute Hepatitis, die meist mit nur mäßig erhöhten Leberblutwerten einhergeht.1 Bis zu 85 Prozent aller Infektionen verlaufen chronisch, das heißt, das Virus verbleibt dauerhaft im Körper. Die Betroffenen können u.a. unspezifische Beschwerden im rechten Oberbauch und erhöhte Leberblutwerte haben.[1]

Es wird angenommen, dass die Dunkelziffer an Hepatitis-C-Virus-Infektionen in Deutschland sehr hoch ist. Ist der Wissensstand in der Ärzteschaft ausreichend?

Dr. Wambach: Der Wissenstand unter den Kolleginnen und Kollegen ist sicher heterogen und in Teilen ebenfalls optimierungsbedürftig, weitere Informationen und Schulungen sind von großer Bedeutung.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO und auch das Bundesministerium für Gesundheit haben das Ziel ausgerufen, die Hepatitis C bis zum Jahre 2030 zu eliminieren bzw. einzudämmen.[2] Wie beurteilen Sie diese Zielsetzung?

Dr. Wambach: Es müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um die Krankheit so rasch wie möglich einzudämmen oder gar zu eliminieren.

Welche Rolle spielt in Ihren Augen dabei der Hausarzt?

Dr. Wambach: Hausärzte werden eine entscheidende Rolle spielen – bei der Diagnosestellung, in der Koordination des Geschehens sowie in der Frage der Kommunikation mit den Patienten, sowohl was Prophylaxe also auch was Diagnostik und Therapie betrifft.

Mit welchen Maßnahmen können die Kollegen dazu beitragen, mehr Patienten mit einem hohen Risiko für eine Infektion mit dem Hepatitis C-Virus zu identifizieren und zu diagnostizieren?

Dr. Wambach: Hausärzte kennen häufig die Lebenswelten ihrer Patienten und können schon hieraus die notwendigen Erkenntnisse hinsichtlich der Risiken gewinnen. Zudem können sie auch bei unspezifischen Symptomen entsprechend reagieren und geeignete Maßnahmen ergreifen. Gerade im Hinblick auf eine individuelle schicht- und kultursensible Kommunikation haben Hausärzte eine zentrale Aufgabe.

Bettina Baierl

1 Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 29/2016.

2 WHO. Advocacy brief. http://www.who.int/hepatitis/publications/hep-elimination-by-2030-brief/en/ [Letzter Zugriff Juni 2017].

3 nach Sarrazin C et al. Update der S3-Leitlinie. Z Gastroenterol 2010; 48: 289-351.

4 nach WHO. Media Centre Hepatitis C Fact sheet No164. http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs164/en/ [Letzter Zugriff: Mai 2017].

5 European Centre for Disease Prevention and Control. Epidemiological assessment of hepatitis B and C among migrants in the EU/EEA. 2016

Quelle: Auftakt-Pressekonferenz der Kampagne „Bist du Chris?“ am 30.05.2017 in Berlin, der Initiative pro Leber. Um das Bewusstsein für die Hepatitis C zu fördern, gründeten die Deutsche Leberstiftung, die Deutsche Leberhilfe e.V. und das Arzneimittelunternehmen Gilead Sciences GmbH die Initiative pro Leber.

Mit freundlicher Unterstützung durch die Gilead Sciences GmbH