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Topthema Arztgesundheit

Foto: Prostock-Studio/Adobe Stock

Personalnot, Arbeitsverdichtung und Wettbewerbsdruck führen bei immer mehr Ärzten zu körperlicher und emotionaler Überlastung. Gleichzeitig fordern Ärzte Arbeitsschutzmaßnahmen am Arbeitsplatz, die ihnen eigentlich zustehen, nicht ein, berichtete Arbeitsmedizinerin Prof. Dr. Monika Rieger. Ein Beispiel sei die Arbeitszeiterfassung im Klinikalltag: „Ärzte stempeln aus und gehen an den Arbeitsplatz zurück, weil sie sich verpflichtet fühlen.“

 

Zwischen Erschöpfung und Abhängigkeit

Laut Rieger ist die Berufsgruppe der Ärzte eigentlich überdurchschnittlich gesund. Wenn Ärzte allerdings erkranken, dann meist aufgrund der hohen Arbeitsdichte und großen Verantwortung. Die Folge seien höhere Raten bei Burnout, Sucht und Suizid. Zu viele versuchten, die enorme Belastung mit Alkohol oder Medikamenten in den Griff zu bekommen.

Dr. Klaus Beelmann (Ärztekammer Hamburg) informierte über Programme für suchtkranke Ärzte, die es mittlerweile in allen Landesärztekammern gibt. Von jenen Ärzten, die Therapien in Anspruch nehmen, seien zwei Drittel auch nach einem Jahr noch „clean“. Insgesamt seien es aber weiterhin noch viel zu wenige, die aktiv Hilfe suchten. Auch von außen komme die nötige Unterstützung oft erst nach Jahren. „Patienten tolerieren aus Respekt vor der Arztrolle oft lange deutliche Anzeichen“, berichtete Beelmann. Selbst Kollegen würden suchtkranke Ärzte aus falsch verstandener Kollegialität viel zu lange schützen.

 

Endlich Schutz vor Gewalt

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn betonte in seiner Eröffnungsrede einmal mehr, dass er „zufriedene Ärzte“ wolle, ließ aber – von altbekannten Phrasen abgesehen – kaum konkretere Maßnahmen verlautbaren. In einem Punkt scheint sich Spahns Meinung innerhalb der letzten Monate jedoch geändert zu haben: Er will nun doch Praxisärzte stärker vor Gewalt durch aufgebrachte Patienten schützen und befindet sich dafür nach eigener Aussage bereits in Gesprächen mit dem Justizministerium.

Der NAV-Virchow-Bund appelliert seit geraumer Zeit an die Politik, die Schutzbestimmungen des §115 StGB (Gewalt gegen Rettungskräfte) auf niedergelassene Ärzte und ihre Mitarbeiter auszudehnen. Eine Umfrage zu Gewaltausbrüchen in Arztpraxen im Rahmen des Ärztemonitors 2018 untermauerte die Forderung. Demnach kommt es täglich zu mindestens 75 Fällen von körperlicher Gewalt gegen niedergelassene Ärzte und ihre Praxisteams.

Die Fachreferate zum Thema Ärztegesundheit finden Sie hier.

 

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