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Mehr statt weniger Arztbesuche – Kassengebühr führt zu Fehlanreizen bei den Patienten

Berlin, 15. August 2012 - Der Bundesvorsitzende des NAV-Virchow-Bundes fordert mit Blick auf die anhaltende Debatte über die so genannte Praxisgebühr, die Diskrepanz zwischen Aufwand, Kosten und Nutzen der Zuzahlung kritisch zu überprüfen. Dr. Dirk Heinrich: „Auch noch heute, acht Jahre nach Einführung der Kassengebühr, erlebe ich beinahe täglich Diskussionen zwischen meinem Praxispersonal und uneinsichtigen Patienten.“

Viele Patienten gehen nur zum Arzt, weil sie sich auf Vorrat überweisen lassen. Hier liegen erhebliche finanzielle Einsparpotenziale, so Dr. Heinrich. (Bild: © lilo - Fotolia.com)

Neben der normalen Verwaltung der Geldeingänge seien darüber hinaus die Mahnverfahren gegen säumige Zahler eine besondere Belastung. Dies müsse bei der Frage um die Zuzahlung immer mit bedacht werden. „Ich wünsche mir hier eine ehrliche Bilanz und mehr Verständnis von Seiten der Politik“, mahnt Dr. Heinrich.

Neben dem erheblichen bürokratischen Mehraufwand, den die Gebühr verursache, verfehle sie alle ihre Ziele. So sei es ein Irrglauben, dass aufgrund der Zuzahlung weniger Menschen zum Arzt gingen. Im Gegenteil: „Etliche Patienten kommen nur, weil sie sich bei einem früheren Arztbesuch auf Vorrat zu weiteren Ärzten überweisen lassen.“ Hier könnten erhebliche finanzielle Einspareffekte erzielt werden. Andere, tatsächlich Hilfsbedürftige aus einkommensschwachen Verhältnissen, halte die Praxisgebühr dagegen vom Arztbesuch ab, kritisiert Dr. Heinrich.

Nach Berechnung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung verschlingt der bürokratische Aufwand durch die Zuzahlung jährlich insgesamt rund 360 Millionen Euro. Auf jede Praxis entfallen so im Schnitt 4.100 Euro. Der zeitliche Mehraufwand für das Praxispersonal liegt bei circa 120 Stunden im Jahr.

Angesichts der Fehlanreize, die die so genannte Praxisgebühr aufweise, müssten die Verantwortlichen umgehend handeln und die Zehn-Euro-Abgabe abschaffen. „Die Kassengebühr ist politischer Murks und muss weg“, konstatiert Dr. Heinrich.

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