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Aktuelles

Honorarabschluss 2019: Praxisärzte seit Jahren von der Kostenentwicklung abgehängt

Berlin, 22. August 2018 - „Praxisärzte bleiben trotz des Honorarabschlusses von gestern bei der Kostenentwicklung weiterhin abgekoppelt und sie bleiben auf den zentralen Problemen sitzen: Fehlenden Mittel für qualifiziertes Personal und für Investitionen in den Praxen“, so kommentiert der Bundesvorsitzende des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, Dr. Dirk Heinrich, das aktuelle Verhandlungsergebnis von Krankenkassen und KBV.

Mittel für qualifiziertes Personal und für Investitionen fehlen (© Setareh - Fotolia)

Der Orientierungswert steigt zwar um rund 1,58 Prozent, liegt damit aber unter der Preissteigerungsrate von derzeit 2 Prozent. Damit lassen sich nicht einmal die Gehaltssteigerungen der Medizinischen Fachangestellten auffangen, die in den letzten Jahren 2,6 Prozent (2017) und 2,2 Prozent (2018) betrugen, zumal der Vorjahresabschluss mit rund
1 Prozent deutlich niedriger ist.

Die Entwicklung der Personalkosten und erforderliche Investitionen schlagen sich aber in den Verhandlungsergebnissen zum Orientierungspunktwert schon lange nicht mehr nieder. Vor einigen Tagen bereits dokumentierte das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) anhand aktueller Zahlen, dass niedergelassene Ärzte von der Preisentwicklung abgehängt sind: Zwischen 2010 und 2017 ist der Lohnindex um knapp 19 Prozent gestiegen, die Gehälter von Klinik-Oberärzten um 15 Prozent, ähnlich wie der Krankenhaus-Bundesbasisfallwert. Nur der Orientierungswert wurde im selben Zeitraum um lediglich 6 Prozent angehoben.

Die direkten Folgen der letzten Honorarrunden sind bereits spürbar: „Der Fachkräftemangel schlägt sich heute schon voll auf die Praxen nieder. Unsere Mitglieder berichten reihenweise davon, dass sie offene Stellen für Medizinische Fachangestellte nicht besetzen können, weil sich keine Bewerber mehr finden. Wir konkurrieren dabei um dieselben Menschen wie in der Alten- und Krankenpflege“, berichtet Dr. Heinrich. Dort werde das Problem aber erkannt, die Pflege wird fachlich und finanziell aufgewertet und die Tarifsteigerungen in den Krankenhäusern demnächst von den Krankenkassen vollständig übernommen.

„Die Krankenkassen kommen mit diesem Honorarabschluss nur knapp den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen in Punkto Kosten, Morbidität und Menge nach. Die bestehenden Probleme, beispielsweise bei der Unterbezahlung von Hausbesuchen, müssen dringend gelöst und die wohnortnahe Grundversorgung durch Haus- und Fachärzte muss gestärkt werden. Die Krankenkassen haben sich mittlerweile leider aus der Versorgungsverantwortung verabschiedet“, erklärt Dr. Heinrich.

Zum Hintergrund:

Die rund 147.000 Vertragsärztinnen und -ärzte in Deutschland arbeiten angestellt oder selbständig in rund 102.000 Praxen und beschäftigen dabei 650.000 Praxismitarbeiterinnen und -mitarbeiter. In der vertragsärztlichen Versorgung kommt es zu über 550 Millionen Behandlungsfällen im Jahr.

Der NAV-Virchow-Bund ist der einzige freie ärztliche Verband, der ausschließlich die Interessen aller niederlassungswilligen, niedergelassenen und ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte aller Fachgebiete vertritt.

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