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Aktuelles

Digitalisierung: Die freie Praxis im freien Fall?

Berlin, 21. November 2016 - Der Wandel des Arztberufes in einer digitalisierten Welt war das Leitthema der diesjährigen Bundeshauptversammlung des NAV-Virchow-Bundes. „Die Anforderungen an den Arzt verändern sich“, erklärten die Delegierten in einer Entschließung. Digitalisierte Informationen, die umfassend und unmittelbar nutzbar sind, stünden einer demografisch und strukturell bedingten Reduzierung der Ressource Arzt gegenüber. Zugleich änderten die Patienten ihr Verhalten im Hinblick auf Selbstdiagnose und Selbstmanagement von Krankheiten. „Der Patient wird vom Gesundheitsempfänger zum Selbstoptimierer“, heißt es in der Erklärung.

Der Blogger Sascha Lobo war Impulsreferent auf der Bundeshauptversammlung. © Schoelzel

All diese Entwicklungen werden den Arzt in Zukunft aber nicht überflüssig machen, sind sich die niedergelassenen Ärzte sicher. Es werde jedoch eine Verschiebung hin zu einer zunehmend partizipativen Entscheidungsfindung geben, bei der der Patient die fachliche Expertise des Arztes benötige. „Kommunikation wird der Kernprozess in den Praxen sein“, erklärte der Bundesvorsitzende des NAV-Virchow-Bundes, Dr. Dirk Heinrich, auf der Veranstaltung.

Dass sich die Ärzteschaft der digitalisierten Welt stärker öffnen muss, um die Fäden in der Hand zu behalten und auch den Erwartungen der Patienten zu entsprechen, machte der bekannte Autor, Blogger und Strategieberater Sascha Lobo in seinem Impulsreferat deutlich. Mittlerweile seien Vitaldaten in einem bisher nicht bekannten Ausmaß vorhanden – bedingt durch eine Sensorenflut und eine große Datenbegeisterung in der Bevölkerung. Die Frage sei: „Wer darf diese Daten auswerten und nutzen?“ Eine Diskussion darüber, welche Daten, Prozesse und Entscheidungen in die Hand der Ärzte gehörten, sei ebenso notwendig wie die Definition einer klaren roten Linie, sagte Lobo. „Die Ärzteschaft muss sich vom erstaunten Zuschauer zum engagierten Mitentscheider entwickeln“, pflichtete ihm Dr. Heinrich bei.

Gesundheits- und berufspolitische Themen

Während der Arbeitssitzung beschäftigten sich die Delegierten mit aktuellen gesundheits- und berufspolitischen Themen:

  • Abschaffung der Terminservicestellen:

Die Kosten und der Verwaltungsaufwand stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Von jährlich 550 Millionen ambulanten Behandlungsfällen werden nur rund 120.000 über die Servicestellen vermittelt. Laut Berechnungen der KV Hessen verursacht die Vermittlung eines Termins Verwaltungskosten in Höhe von 107 Euro. Zudem betrifft der Großteil der vermittelten Termine Fachbereiche, in denen nur wenige Ärzte niedergelassen sind (z.B. Neurologen, Rheumatologen und Psychiater). 

  • Weiterentwicklung der ambulanten Weiterbildung:

Die Bundeshauptversammlung weist darauf hin, dass viele diagnostische und therapeutische Leistungen durch die Verkürzung von Liegezeiten in den ambulanten Bereich verlagert werden. Angehende Haus- und Fachärzte sehen in den Kliniken also nur einen Ausschnitt des Behandlungsverlaufs und erhalten eine lückenhafte Weiterbildung. 

  • Novellierung der GOÄ:

Die Bundeshauptversammlung hat einen 12-Punkte-Katalog zur Novellierung der ärztlichen Gebührenordnung (GOÄ) vorgelegt. Darin wird der Präsident der Bundesärztekammer aufgefordert, die Führung und Verantwortung des gesamten Novellierungsprozesses zu übernehmen. Zudem sollen die Berufsverbände und Fachgesellschaften kontinuierlich in die Verhandlungen einbezogen werden. 

  • Reform des KV-Systems:

Die Delegierten haben ferner ein Positionspapier zur Reform des Systems der Kassenärztlichen Vereinigung beschlossen. Darin werden u.a. die Stärkung der ärztlichen Basis sowie die Professionalisierung und Klärung des Rollenbildes der KV-Vorstände gefordert. 

  • Verpflichtender PJ-Teil in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung:

Der NAV-Virchow-Bund spricht sich dafür aus, dass Medizinstudenten ein Pflichtquartal im ambulanten Bereich absolvieren. Nur so kann der Nachwuchs die Arbeit in der Niederlassung aus erster Hand erleben.

Der NAV-Virchow-Bund ist der einzige freie ärztliche Verband, der ausschließlich die Interessen aller niederlassungswilligen, niedergelassenen und ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte aller Fachgebiete vertritt.

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