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Coordt: "Die Zeiten paternalistischer Strukturen sind vorbei"

Berlin, 29. April 2014 - Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, vor fast 25 Jahren wurde der Rudolf-Virchow-Bund gegründet. Er war ein Zeichen dafür, dass Ärztinnen und Ärzte in der DDR nicht mehr gewillt waren, sich die Auffassung davon, wie sie ihren Beruf ausüben wollen, diktieren zu lassen. Der Rudolf-Virchow-Bund hat in der Wende- und Nachwendezeit durch seine Arbeit in erheblichem Maße dazu beigetragen, das staatliche Gesundheitssystem der DDR mit seinen Polikliniken und Ambulatorien in ein freiheitlich organisiertes, sich selbst verwaltendes und dem Wohl des Patienten verpflichtetes System zu überführen.

Landesgruppen-Chef Mathias Coordt: Die Möglichkeiten einfach nutzen (Bild: privat)

Seit dieser Zeit, also über ein Vierteljahrhundert, hat Prof. Harald Mau diesen Verband geprägt und den Gedanken der Unabhängigkeit ärztlichen Handelns, das nur dem Wohl Kranker gewidmet sein soll, in die neue Zeit nach 1989 und in die Fusion mit dem NAV getragen.

In den vergangenen 25 Jahren hat er, neben seiner Tätigkeit als Klinikdirektor und Dekan an der Berliner Charité, im Bundesvorstand des NAV-Virchow-Bundes, als Vorsitzender der Brendan-Schmittmann-Stiftung, als Vorstand der Berliner Ärztekammer und nicht zuletzt seit über 20 Jahren als Vorsitzender der Landesgruppe Berlin-Brandenburg des NAV-Virchow-Bundes sein Engagement für die Freiheit der ärztlichen Berufsausübung zum Wohle der Patienten eingebracht.

Nach dieser langen Zeit hat Prof. Mau dieses Amt am 1. März 2014 niedergelegt.

Lieber Harald, wir möchten dir für das, was du in diesen vielen Jahren getan hast, danken. Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, dass Du uns in der Landegruppe und im Vorstand aktiv erhalten bleibst. Wir laden alle Mitglieder unseres Landesverbandes ein, dir für dein Wirken in einer Feierstunde zu danken, die am 5. September 2014 in der Hörsaalruine der Charité stattfinden wird.

Die Zeit seit der letzten Landeshauptversammlung im August war berufspolitisch sehr turbulent. Es gab die Bundestagswahlen und den darauf folgenden Wechsel an der Spitze des Bundesgesundheitsministeriums. Es gab den Krach in der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, ausgelöst durch die Forderung dem hausärztlichen Vorstand, Frau Feldmann, nach mehr Entscheidungsspielraum für die Hausärzte. Dazu die plötzliche Erkrankung des KBV-Vorsitzenden, die u. a. dazu führte, dass er sein Amt niederlegte. Unser Landesverband war besonders mit den Ereignissen in der KV Berlin beschäftigt.

Ich möchte, dass sich unser Landesverband mit den aktuellen Problemen beschäftigt, sich in die Diskussion einbringt, Stellung bezieht und Lösungsvorschläge erarbeitet. Der NAV-Virchow-Bund hat das Selbstverständnis eines Berufsverbandes der die Interessen aller niedergelassenen Ärzte vertritt, fach- und versorgungsbereichsübergreifend.

Die Einheit der Ärzteschaft ist ein so hohes Gut, dass wir mit allen Mitteln für sie eintreten müssen. Dies kann aber nur gelingen, wenn die spezifischen Probleme einzelner Arztgruppen mit kollegialem Respekt gesehen werden. Ich habe die Hoffnung, dass wir mit einem breit aufgestellten Landesvorstand hierfür einen Beitrag leisten können. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir heute einen größeren Landesvorstand, auch mit Mitgliedern aus Brandenburg, wählen.

Wir werden vielleicht noch in diesem Jahr die Diskussion um eine Hausarzt-Facharzt-Trennung in den KVen auf der politischen Bühne erleben. Können wir als übergreifender Verband eine Mittlerrolle einnehmen? Können wir den berufspolitisch aktiven Kollegen aus der Haus- und Fachärzteschaft, die ein Interesse an Ausgleich und Zusammenarbeit haben, eine Plattform bieten? Oder besteht die Gefahr, dass uns diese Diskussion als Verband zerreißt, weil wir von der einen oder andren Seite als parteiisch angesehen werden?

Ich bin davon überzeugt, dass die klassische Freiberuflichkeit in eigener Niederlassung auch in Zukunft eine wichtige Rolle im Gesundheitswesen spielen wird. Die zunehmende Zahl von Ärztinnen und Ärzten, die ambulant in einem angestellten Verhältnis arbeiten oder arbeiten wollen, erfordert aber auch in unserem Verband ein Umdenken. Wir werden definieren müssen, wessen Interessen wir vertreten wollen. Bleiben wir ein Verband für Ärzte in klassischer Niederlassung oder öffnen wir uns auch den neuen Formen der ärztlichen Berufsausübung? Und wenn ja, allen Formen oder ziehen wir eine Grenze, die wir zum Beispiel durch die Freiheit der Berufsausübung definieren?

Seit den Zeiten des Rudolf-Virchow-Bundes gehören Zahnärzte und Zahnärztinnen zu unserer Landesgruppe. Ich finde, dass diese Aufstellung schon vor einem Vierteljahrhundert sehr modern war. Wir sollten überlegen, ob wir diesen Weg nicht weitergehen. Sind nicht die Psychologinnen und Psychologen, die als niedergelassene Psychotherapeuten mit uns zusammen in den KVen vertreten sind, auch freiberuflich tätig? Wirken sie nicht genauso für das Wohl unserer gemeinsamen Patientinnen und Patienten wie unsere ärztlichen Kolleginnen und Kollegen, die psychotherapeutisch arbeiten?

Wie ist es um Mitwirkung und Mitbestimmung im öffentlich-rechtlichen KV-System bestellt? Die Zeiten paternalistischer Strukturen, in denen man alle vier oder sechs Jahre wählt und danach die Hände in den Schoß legt, um die „da oben“ mal machen zu lassen, diese Zeiten sind wohl vorbei. Wenn wir die nächste Ärztegeneration für die Selbstverwaltung begeistern wollen, müssen wir an unseren Strukturen arbeiten. Getreu nach dem Motto, nur wer sich ändert, bleibt.

Ein größeres Mitbestimmungsrecht der Mitglieder in den Zeiten zwischen den Wahlen ist unabdingbar. Dazu gehören auch Mitgliederbegehren und Mitgliederentscheide. Die Parlamente müssen gestärkt werden. Gerade in Zeiten hauptamtlicher Vorstände, die oft nicht mehr selbst unserem Berufsstand angehören, müssen die Vertreterversammlungen die Interessen der Ärzteschaft widerspiegeln. Sogenannte „geborene“ Mitglieder in der KBV-Vertreterversammlung, die immer häufiger nicht mehr aus der Ärzteschaft kommen, widersprechen dem Auftrag eines Ärzteparlamentes. Sitzungen von Vertreterversammlungen müssen für alle Mitglieder öffentlich sein. Sie haben das Recht, die Diskussionen zu verfolgen und sich über die Standpunkte der von ihnen gewählten Vertreter zu informieren.

Hauptgrund für den vielfach beklagten Ärztemangel sind die uns seit den 90er Jahren verordneten Einschränkungen, Budgetierungen, Regressandrohungen. Diese wurden eingeführt, um eine angebliche Ärzteschwemme zu verhindern. Das Ergebnis können wir heute sehen.

Es muss gelten: Erbrachte Leistungen müssen vergütet werden. Dabei muss auch im Rahme einer solidarischen Finanzierung eine ungerechtfertigte Leistungsausweitung verhindert werden. Dies kann aber durch Maßnahmen im EBM gelingen, v. a. durch einen vernünftigen Mix aus Pauschalen und Einzelleistungsvergütungen. Diesen Weg müssen wir weitergehen, ein „Honorarverteilungsmaßstab“ der nur dazu dient, eine begrenzte Menge an Geld auf eine unbegrenzte Menge an Leistungen aufzuteilen, muss der Vergangenheit angehören.

Ich finde, wir haben wenig Grund zu Depression und Resignation. Es gibt so viele spannende Themen, es gibt so viele Möglichkeiten sich einzubringen, dass wir diese Möglichkeiten einfach nutzen müssen.

Unser Beruf ist ein freier Beruf. Die Freiheit unserer Berufsausübung ist eine Doppelte: Wir sind frei, uns nur dem Wohl unserer Patienten verpflichtet zu fühlen. Und wir sind frei, diese Verpflichtung selbst zu gestalten. Trotz aller Probleme, berechtigter Kritik und mancher Auswüchse: Davon zeugen die vielen Parlamente, Ausschüsse und Kommissionen und Verbände, in denen Ärztinnen und Ärzte mit großem Engagement tätig sind. Das sollten wir nicht vergessen.

Der NAV-Virchow-Bund ist der einzige freie ärztliche Verband, der ausschließlich die Interessen aller niederlassungswilligen, niedergelassenen und ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte aller Fachgebiete vertritt.

NAV-Virchow-Bund
Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands e.V.
Landesgruppe Berlin/Brandenburg
Landesvorsitzende: Dr. Christiane Wessel
Markgrafenstraße 20
10969 Berlin
Tel.: 030 / 61 43 04 0
E-Mail: info.berlin-brandenburg@nav-virchowbund.de

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