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Rosinenpickerei statt Versorgungspolitik – Kassen sitzen auf dem Geld und finanzieren Unsinn

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Berlin, 30. Mai 2012 - „Die Gesetzlichen Krankenkassen horten derzeit rund 20 Milliarden Euro, doch statt endlich die überflüssige Praxisgebühr abzuschaffen, finanzieren sie auf Kosten der Solidargemeinschaft jede Menge Unsinn“, kritisiert Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes. Über den Umweg so genannter Satzungsleistungen böten die Kassen ihren Patienten immer mehr Behandlungsmethoden und Arzneimittel, deren Nutzen zweifelhaft sei.

Behandlung ohne anerkannten Erfolg: Die Osteopathie ist nicht Teil des GKV-Leistungskatalogs. (Bild © Dan Race - Fotolia.com)

„Dabei umgehen sie klar die von ihnen selbst mitgetragenen Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesausschusses und setzen sich damit über das Gremium hinweg“, sagt Dr. Heinrich. So gewähre eine Vielzahl an Gesetzlichen Krankenkassen die Behandlung bei Osteopathen, die aus guten Gründen nicht zum Leistungskatalog der GKV gehöre, weil der Nutzen nicht nachgewiesen sei, so etwa die Bahn BKK, BKK ALP plus, BKK Thüringer Energieversorger, BKK Dürkopp Adler, BKK Essanelle, BKK vor Ort, Hanseatische Krankenkasse, HVB BKK, SBK, Securvita BKK und die Techniker Krankenkasse, wie das Verbrauchermagazin Finanztest in seiner Juniausgabe auflistet.

Doch nicht nur zweifelhafte medizinische Methoden sollen die Kunden locken, ergänzt Dr. Heinrich. „Einige Versicherer zahlen sogar für die Behandlung durch Ärzte und Psychotherapeuten, die nicht als Kassenärzte zugelassen sind und umgehen dabei die Qualitätsanforderungen, die Krankenkassen sonst bei Vertragsärzten regelmäßig einfordern.“ Lediglich eine vorherige Zustimmung sei dabei einzuholen, so Dr. Heinrich. Beispiele seien hier die BKK ALP plus, BKK Dürrkopp Adler sowie die Techniker Krankenkasse. Darüber hinaus bezahlten einige Kassen für Arzneimittel der anthroposophischen Medizin, Homöopathie oder Phytotherapie, die seit 2004 eigentlich nicht mehr erstattungsfähig seien, darunter die BKK Essanelle, Techniker Krankenkasse und die Hanseatische Krankenkasse.

Obwohl eine Verbesserung des Leistungsspektrums grundsätzlich wünschenswert sei, offenbarten die genannten Angebote die Zielrichtung der Kassen. Dr. Heinrich: „Die Absicht ist klar: Die Kassen wollen ein bestimmtes Klientel bedienen. Und das auf Kosten aller Beitragszahler. Das ist Rosinenpickerei durch knallhartes Marketing und hat mit der verantwortungsvollen Versorgung von Patienten nichts zu tun. So geht man mit Zwangsbeiträgen nicht um.“

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