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Die vertragsärztliche Gegenwart im Lichte des Burnout-Syndroms; die wirtschaftliche Entwicklung und die ärztliche Selbstverwaltung in der vertragsärztlichen Meinung
(Kurzinformation zu den Ergebnissen einer schriftlichen Befragung)

Die Brendan-Schmittmann-Stiftung hat im März 2002 5750 Vertragsärzte der Fachrichtungen Allgemeinmedizin/Praktiker, Innere, Gynäkologie, HNO, Pädiatrie, Urologie, Orthopädie und Dermatologie in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Schleswig/Holstein, Sachsen, Sachsen/Anhalt, Mecklenburg/Vorpommern, Hamburg, Nordrhein/Westfalen, Baden/Württemberg, Bayern und Thüringen zu Aspekten des Burnout-Syndroms, der wirtschaftlichen Entwicklung und der ärztlichen Selbstverwaltung befragt. Aus den Ergebnissen lassen sich folgende Aussagen ableiten:

Für die befragten Vertragsärzte ist charakteristisch, dass sie durchschnittlich 11 Stunden an jedem Werktag arbeiten und sich dabei im Durchschnitt mit 51 Patienten befassen. Unter Zugrundelegung einer 5 Tage Arbeitswoche entspricht das 55 Arbeitsstunden in der Woche bzw. die Behandlung von 255 Patienten pro Woche. Die lange Arbeitszeit und die hohe Anzahl der täglich zu behandelnden Patienten beeinflusst das Verhältnis der Vertragsärzte zu ihren Patienten. So leiden 60 Prozent von ihnen darunter, zu wenig Zeit für ihre Patienten zu haben.

Etwa drei Viertel der befragten Vertragsärzte ist mit der Praxisorganisation zufrieden und 90 Prozent der Probanden schätzen ein, dass sie von ihren Helferinnen zuverlässig unterstützt werden. Trotzdem ist nur die Hälfte der Vertragsärzte mit der Zeiteinteilung ihres Arbeitstages zufrieden und gibt dem aus der Arbeitsfülle entspringenden Druck, durch Absenkung der eigenen Ansprüche an die Arbeit, nicht nach.

Mehr als die Hälfte der Vertragsärzte gibt an, dass die Arbeit sie auslaugt (59 Prozent) bzw. dass sie am Ende eines Arbeitstages völlig erledigt sind (58 Prozent). Ähnlich hoch ist der Anteil Vertragsärzte (57 Prozent), der unregelmäßig und mit Eile isst. Über Schlafdefizite klagen 49 Prozent der Vertragsärzte.

Eine deutliche Mehrheit der Vertragsärzte ist offensichtlich nicht Burnout gefährdet. Lediglich 20 Prozent der Vertragsärzte sind oft verzweifelt und 26 Prozent würden am liebsten alles hinwerfen.

Die umfangreiche tägliche Arbeitszeit der Vertragsärzte tangiert ihr Privatleben negativ. So geben 69 Prozent der Vertragsärzte an, dass unter der Überbeanspruchung in der Praxis das Privatleben leidet und nur 21 Prozent von ihnen haben genügend Zeit zur Wahrnehmung persönlicher Interessen.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind ein großer Belastungskomplex für die Vertragsärzte. So fühlen sich 71 Prozent von ihnen durch die ungünstige wirtschaftliche Situation in unserem Lande belastet. Die Ungewissheit einen guten Erlös bei Verkauf der Praxis zum Berufsende zu erzielen, ist für 69 Prozent ein Belastungsfaktor und 63 Prozent empfinden die eigenen finanziellen Verpflichtungen als Belastung. Retrospektiv sind mehr als die Hälfte der Probanden (52 Prozent) der Meinung, dass in den letzten 5 bis 7 Jahren viele Vertragsärzte gravierende wirtschaftliche Probleme bekommen haben. Für 60 Prozent ist die wirtschaftliche Zukunft insgesamt sehr beängstigend. Wirtschaftliche Probleme für die eigene Praxis erwarten 23 Prozent der Vertragsärzte und 52 Prozent rechnen zum Teil damit.

Mehr als 90 Prozent der Vertragsärzte fühlen sich durch das Ausmaß der Gesetzgebung im Gesundheitswesen und durch das Ausmaß der Einflussnahme der Politik bzw. der Kassen auf die Patientenversorgung belastet.

Sehr differenziert urteilen die Vertragsärzte über die Organe der ärztlichen Selbstverwaltung. Etwa die Hälfte (51 Prozent) der Vertragsärzte hält die ärztliche Selbstverwaltung für unverzichtbar, für 31 Prozent ist sie nur teilweise unverzichtbar.

Die Unverzichtbarkeit der Kassenärztlichen Vereinigungen wird deutlich seltener artikuliert. Für 23 Prozent der Vertragsärzte sind die Kassenärztlichen Vereinigungen unverzichtbar und für die knappe Hälfte sind sie teilweise unverzichtbar.

>Zwei Drittel sind der Meinung, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen unbedingt reformiert werden müssen, damit sie ihre Aufgaben zeitgemäß erfüllen können.

Den Sicherstellungsauftrag wollen 45 Prozent der Vertragsärzte unbedingt bei den Kassenärztlichen Vereinigungen belassen, 33 Prozent wollen ihn zum Teil dort belassen.

Eine Übernahme der Aufgaben der Kassenärztlichen Vereinigungen durch die Ärztekammern bzw. durch die freien Berufsverbände wird von mehr als 60 Prozent der Vertragsärzte abgelehnt.

Die Ausstattung der Kassenärztlichen Vereinigungen mit professionellen, hauptamtlichen Führungen, ähnlich denen in großen Wirtschaftsunternehmen, wird von 56 Prozent der Vertragsärzte gefordert.

Starker Frust besteht bei den Vertragsärzten über die Funktionäre der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Nur 5 Prozent sind der Meinung, dass die Funktionäre fähig sind, weil sie die Interessen der Vertragsärzte wirkungsvoll gegenüber Kassen und Politik vertreten, 42 Prozent sind zum Teil dieser Meinung.

Die Bereitschaft sich in die Arbeit der ärztlichen Selbstverwaltung einzubringen ist schwach entwickelt. Ganze 16 Prozent der Probanden üben neben Ihrer Tätigkeit als neidergelassener Arzt noch eine Funktion in einem Berufsverband, der Kassenärztlichen Vereinigung oder der Ärztekammer aus.

Die komplette Befragung kann gegen einen Unkostenbeitrag von 10 € bezogen werden bei:
Brendan-Schmittmann-Stiftung
Geschäftsstelle Berlin
Chausseestraße 99
10115 Berlin
Telefon: 030 / 285 269 18 - Fax: 030 / 285 269 15

Für weitere Befragungen wäre die Stiftung für Spenden dankbar auf das Konto Nr. 000 141 8386 bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank Köln, BLZ 370 606 15.