Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
die Berliner Regierungskoalition redet zwar ständig von Wachstum, vergessen wird aber, dass gerade das Gesundheitswesen eine Zukunftsbranche ist.
Die heutige Krise im Sozialsystem ist nicht Folge erhöhter Ausgaben, sondern Folge von Mindereinnahmen, die in engem Zusammenhang mit dem Wirtschaftsstandort Deutschland stehen.
Wir erlebten, dass die so genannte Gesundheitsreform 2000 der rot-grünen Koalition ein Fehlschlag war. Das Bundesgesundheitsministerium hatte sich mit seinen ins Absurde hineinreichenden Vorstellungen eine gründliche Abfuhr geholt. Es wäre wahrhaftig gescheiter gewesen, die ganze leidige Reformgeschichte auf den Müll zu werfen und sich dann parteiübergreifend zusammenzusetzen, vor allem mit denen, die vom Gesundheitswesen etwas verstehen. Dies ist dann auch halbwegs zufriedenstellend geschehen. Das heutige GKV-Modernisierungsgesetz (GMG) ist am 1. Januar 2004 in Kraft getreten. Viele Zieldefinitionen in diesem Gesetz entsprechen der berufspolitischen Programmatik unseres Verbandes. Wir müssen nunmehr vor allem auch mit Hilfe der Basis dafür Sorge tragen, dass die Ausgestaltung in unserem Sinne erfolgt.
Unverändert ist der NAV-Virchow-Bund zur sachlichen und vernünftigen Diskussion mit Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), wie Reformschritte vollzogen werden können, bereit. Vielleicht begreift die Politik ja doch noch, dass Gesetzeshektik, blinder Aktionismus und schon gar realitätsferne Ideologien vom Regen in die Traufe führen und Probleme potenzieren, statt sie einer Lösung näher zu bringen.
Viele Kolleginnen und Kollegen zweifeln heute an dem regulierenden Einfluss der freien ärztlichen Verbände und hören leider oft nur auf diejenigen, die in marktschreierischer Manier Veränderungen fordern, ohne gangbare Wege aufzuzeigen.
Die derzeitige Unruhe und Verunsicherung sind ein gesamtgesellschaftliches Problem, das sich in der Ärzteschaft besonders sichtbar ausdrückt. Das Erwachen von großen Teilen der Ärzteschaft aus dem berufspolitischen Schlaf ist dabei die größte und angenehmste Überraschung. Es bedeutet Besinnung auf die Eigenverantwortung, sein Schicksal selbst mitzugestalten und nicht zu erwarten, dass andere das regeln.
Die Politik und vor allem die Krankenkassen müssen zur Kenntnis nehmen, dass sie es heute mit einer selbstbewussten Ärzteschaft zu tun haben, die zu neuer Solidarität gefunden hat.
Als Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes, dem Verband der ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte, der innerärztliche Geschlossenheit anstrebt, werde ich dieses Ziel mit aller Kraft weiterverfolgen. Helfen Sie mir dabei! Und allen Turbulenzen zum Trotz: Resignation ist nicht angesagt!
Das Chaosmanagement im Gesundheitswesen muss gestoppt werden, wir brauchen größere Planungssicherheit!
Der Bürokratieaufwand in der Praxis – zu häufig zum Nulltarif – muss abgebaut werden. Der Arzt braucht seine Zeit für den Patienten!
Daten-Tohuwabohu und totale Transparenz sind inhuman – auch Arzt und Patient haben ein Recht auf Schutz ihrer Persönlichkeit.
Priorität der ambulanten vor der stationären Versorgung. Die freie Arztpraxis muss entschieden stärker gefördert werden!
Honorardecke und floatende Punktwerte gefährden die Praxisexistenz – der „Unternehmer“ Arzt braucht betriebswirtschaftliche Sicherheit!
Die Bindung der Gesamtvergütung ausschließlich an wirtschaftliche Daten bedeutet Medizinrückschritt.
Die steigende Leistungsfähigkeit der ambulanten ärztlichen Versorgung muss von der Politik auch monetär anerkannt werden!
Arzneimittellimits mit Regressfolge bei Überschreiten sind infam – der Arzt muss seinen Patienten behandeln können, ohne ständig einen Kollektivregress fürchten zu müssen!
Also doch Berufspolitik! Als Einzelkämpfer sind Sie überfordert – logische Konsequenz: ständige berufspolitische Vertretung durch Mitgliedschaft im NAV-Virchow-Bund, Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, der darüber hinaus eine riesige Service-Palette bietet.
(anfordern: Fon 0221 / 97 30 050, Fax: 0221 / 739 12 39)
Als freier Verband mit über 50jähriger Polit-Präsenz in Bonn und jetzt in Berlin haben wir einiges zum Besseren bewegt – nicht alles!
Wer kämpft kann verlieren –
wer nicht kämpft, hat schon verloren!