Landesgruppen Baden-Württemberg Bayern Saarland Rheinland-Pfalz Hessen Nordrhein Westfalen-Lippe Niedersachsen / Bremen Hamburg Schleswig-Holstein Mitteldeutschland Mitteldeutschland Mitteldeutschland Mecklenburg-Vorpommern Berlin/Brandenburg

Ärztemonitor 2014

Ärzte sind hoch engagiert – doch sie leiden zunehmend unter den Rahmenbedingungen

Dr. Heinrich bei der Vorstellung der Befragungsergebnisse (© pa-gesundheit.de)

Den Patienten helfen und für sie da sein. Das ist für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten der wichtigste Antrieb ihrer Arbeit. Doch zunehmend machen ihnen die schwierigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Das geht aus einer Befragung von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und dem NAV-Virchow-Bund hervor.

„Meine Arbeit macht mir Spaß“: 93 Prozent der niedergelassenen Hausärzte, 95 Prozent der Fachärzte und 99 Prozent der Psychotherapeuten stimmen dieser Aussage zu. Das ist eines der Ergebnisse aus dem Ärztemonitor 2014, den das Meinungsforschungsinstitut infas im Auftrag der KBV und des NAV-Virchow-Bundes durchgeführt hat. Mehr als 10.000 Niedergelassene haben von Februar bis Mai 2014 an den telefonischen Interviews teilgenommen. Damit ist der Ärztemonitor die umfangreichste Repräsentativbefragung von niedergelassenen Ärzten.

„Die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen identifizieren sich in hohem Maße mit ihrer Arbeit“, erklärte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV. Deutlich machen das auch folgende Zahlen: Mehr als 8 von 10 Ärzten und Psychotherapeuten würden ihren Beruf erneut ergreifen und fast 100 Prozent empfinden ihre Arbeit als nützlich. Bei aller positiver Grundstimmung ist der Blick auf die Zahl der Unzufriedenen jedoch ernüchternd: „39 Prozent der Praxisärzte sind unzufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Situation, 46 Prozent beklagen eine fehlende finanzielle Planungssicherheit“, stellte Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes fest.

„Obwohl niedergelassene Ärzte das Rückgrat der ambulanten Versorgung sind, fühlen sie sich aber im Stich gelassen. Bei einer persönlichen Arbeitsbelastung von durchschnittlich 54 Arbeitsstunden, bei täglich 45 behandelten Patienten fehlt 66 Prozent der Befragten ausreichend Zeit für den Patienten“, so Dr. Heinrich. Dies und die ständig steigende Bürokratie sowie der wirtschaftliche Druck verschlechterten die Stimmung und führten dazu, dass 67 Prozent der Praxisärzte sich wünschen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. „Dies entspricht einerseits gesellschaftlichen Tendenzen, ist aber andererseits auch das Ergebnis der politischen Rahmenbedingungen für die Niedergelassenen“, erklärte Dr. Heinrich: „Die ,Generation Selbstausbeutungʻ gehört in Kürze der Vergangenheit an.“

Jeder vierte Haus- und Facharzt plant, in den kommenden fünf Jahren die Praxis abzugeben. Viele finden aber keinen Nachfolger. Auch deswegen sagen rund 75 Prozent, dass die Praxis ihre Funktion als Altersvorsorge verloren hat. Der KBV-Chef stellte dazu fest: „Das ist ein Skandal. Es darf nicht sein, dass eine freie Berufsgruppe, die erst in eine sehr lange Ausbildung, dann in Aufbau und Unterhalt einer Praxis investiert, die Arbeitsplätze sichert und die eine extrem wichtige Rolle in der Gesellschaft spielt, am Ende ihres Arbeitslebens nicht abgesichert ist.“

Wirtschaftliche Situation bei Fachärzten der Grundversorgung ein großes Problem

Zwei wichtige Ergebnisse des Ärztemonitors 2014 waren die hohe Zufriedenheit mit dem Beruf als Arzt sowie die hohe Unzufriedenheit mit den Rahmenbedingungen, unter denen die Mediziner arbeiten müssen. Um den Unzufriedenen auf den Grund zu gehen, hat das Meinungsforschungsinstitut infas im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und des NAV-Virchow-Bundes (NAV) eine Detailauswertung zur Verteilung der Unzufriedenheit gemacht. Das Ergebnis: Insbesondere Fachärzte in der Grundversorgung sind weit überdurchschnittlich unzufrieden mit der wirtschaftlichen Situation und sehen Nachholbedarf beim Einkommen.

„Dieses Ergebnis zeigt erneut, dass Fachärzte mit vielen Fällen in der Grundversorgung ernste wirtschaftliche Probleme haben“, sagte Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes. Der Ärztemonitor hatte ergeben, dass 39 Prozent mit ihrer wirtschaftlichen Situation unzufrieden sind. Weit über diesem Wert liegen Chirurgen und Orthopäden (55%), HNO-Ärzte (51%) und Urologen (48%). Diese Fachgruppen sowie die Frauen- und Augenärzte sind ebenfalls unzufrieden mit ihrer Einkommenssituation.

„Die generellen Zufriedenheitswerte des Ärztemonitors 2014 sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass vor allem die grundversorgenden Fachärzte unter den Rahmenbedingungen leiden. Über den Ärztemangel wird viel gesprochen, doch um junge Mediziner in die Niederlassung zu bekommen, müssen wir die Bedingungen vor allem bei den Grundversorgern deutlich verbessern“, erklärt Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV.

Ein weiteres Problem aller Grundversorger ist die schwierige Suche nach einem Praxisnachfolger. Hier sagten 82 Prozent der Hausärzte aus, dass sie Probleme hätten, einen Nachfolger zu finden, gefolgt von Kinderärzten (73%), Augenärzten (67%) sowie Orthopäden und Chirurgen (65%).

Dateien zum Download

Ansprechpartner

Klaus Greppmeir
Hauptgeschäftsführer
Leiter der Pressestelle

Chausseestraße 119b
10115 Berlin
Fon: 030/288774-0
Fax: 030/288774-113
E-Mail: klaus.greppmeir@nav-virchowbund.de